Wie füttere ich mein altes Pferd?

Die Fütterung alter Pferde ist sehr individuell, denn der eine Vierbeiner ist mit 20 Jahren noch motiviert im Dressurviereck unterwegs, der andere genießt ruhige Ausritte, und der nächste steht mit Zipperlein auf der Koppel. Wir zeigen, worauf es bei der Fütterung sportlicher Seniorpferde und Rentnerpferde im Ruhestand ankommt.


  • Wann ist ein Pferd alt?
  • Den Alterungsprozess abmildern
  • Darf’s ein bisschen mehr sein?
  • Vital bis ins hohe Alter
  • Wenn die Zeit an den Zähnen nagt
  • Krankheiten im Alter
  • Tipps zu individuellen Rationen im Alter
  • Fakten zum Alterungsprozess
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„Pferde können auch mit über 20 Jahren noch fit und aktiv sein, wenn Haltung, Fütterung und Beanspruchung in der Vergangenheit sowie im Alter pferdegerecht sind.“

Wann ist ein Pferd alt?

Wie bei uns Menschen nimmt auch bei Pferden mit fortschreitendem Alter die Leistungsfähigkeit des Organismus ab. Wenn wir genau hinsehen, bemerken wir eventuell schon bei unseren 12- oder 14-jährigen Begleitern erste Zipperlein. Nicht optimale Haltungsbedingungen, einseitige Futterrationen, Überlastung und Stress zeigen meist bereits in diesem Alter erste Auswirkungen. Von „alt“ spricht man allerdings erst, wenn die Leistungsfähigkeit des Organismus an sich deutlich abnimmt. Das äußert sich beispielsweise im Fell, in den Bewegungsabläufen, in Muskulatur und Körperform, in der Verdauung und nicht zuletzt im Zustand der Zähne.

Äußerliche Merkmale des Alters

  • Fellwechsel beginnt früher und endet später
  • Längeres und gleichzeitig dünneres Fell mit weißen Haaren im Gesicht
  • Körper wird spitzer und knochiger
  • Muskulatur geht zurück
  • Bewegungen werden stumpfer
  • Aufwärm- bzw. Einlaufphase verlängert sich
  • Pferd kommt schneller „aus der Puste“
  • Wetterfühligkeit verstärkt sich
  • Schwerfuttrige Pferde magern verstärkt ab
  • Zahnprobleme treten auf
  • Verdauung wird träger
  • Augen trüben ein und die Augengruben werden tiefer

Den Alterungsprozess abmildern

Wie bei allen Pferden sollte sich auch bei den Senioren die Fütterung in erster Linie am Ernährungs- und Gesundheitszustand orientieren. Eventuelle Mängel sollten schnellstmöglich behoben werden. Eine optimal angepasste Fütterung kann die Einsatzbereitschaft alter Pferde noch für lange Zeit aufrechterhalten. Sie kann den Alterungsprozess teilweise abmildern bzw. die mit dem Altern einhergehenden körperlichen Einschränkungen oft noch eine ganze Weile hinauszögern.

Darf’s ein bisschen mehr sein?

Bei der Zusammenstellung einer optimalen Ration für Seniorpferde, die degenerative Prozesse bestmöglich ausgleicht und ggf. verzögert, sind folgende wissenschaftliche Erkenntnisse wichtig:

Je nach Ernährungszustand benötigen Senioren bis zu 20 % mehr Energie als 10-jährige Pferde. Auch der Bedarf an hochwertigen Proteinen ist um 10 bis 20 % erhöht. Von Zink, Selen und den Vitaminen A und E benötigen Seniorpferde sogar doppelt(!) so viel. Auch der Bedarf an Vitamin C und an B-Vitaminen steigt. Ebenso wie für junge Pferde ist für alte Tiere eine ausreichende Versorgung mit Mineralstoffen wichtig – allerdings bitte nicht überversorgen, denn gerade im Alter kann dadurch die Bildung von Harnsteinen begünstigt werden. Das Ca:P-Verhältnis sollte deshalb im Bereich 1,5:1 liegen. Für ein gesundes Herz bis ins hohe Alter hinein ist ausreichend Magnesium wichtig.

Vital bis ins hohe Alter

Viel Energie, gut verdauliche Proteine und ein an die erhöhten Bedürfnisse alter Pferde angepasster Gehalt an Mineralstoffen und Vitaminen machen marstall Senior Plus zum idealen Müsli für ältere Pferde mit gesundem Stoffwechsel. Das Müsli kann auch eingeweicht gefüttert werden.

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Wenn die Zeit an den Zähnen nagt

Das Gebiss der Pferde unterscheidet sich stark vom menschlichen Gebiss. Durch die mahlenden Bewegungen bei der Futterzerkleinerung nutzen sich Pferdezähne immer weiter ab. Die maximale Länge der Backenzähne ist bei Pferden schon im Jugendalter angelegt. Um der Abnutzung entgegenzuwirken, schieben sich die Backenzähne immer weiter aus den Zahntaschen heraus. Sie wachsen allerdings nicht nach. Im Extremfall ist irgendwann schlicht kein Zahnmaterial mehr zum Zermahlen des Futters vorhanden ─ der Zahn ist „aufgebraucht“, der Rest fällt aus oder muss operativ entfernt werden. Anders als beim Menschen gibt es die „Dritten“ für Pferde leider nicht. Zum Glück kann man heutzutage aber auf vielfältige Heuersatzprodukte wie unsere marstall Wiesen-Cobs, Wiesen-Chips, Wiesen-Fasern und das ProCaval-Struktur, die eingeweicht gefüttert werden können, zurückgreifen. Auch bei Senioren ist genügend Raufutter das A und O – nicht zuletzt, weil es die Verdauung in Schwung hält. Deshalb gilt auch für alte Pferde der Richtwert von mindestens 1,5 kg Heu pro 100 kg Lebendgewicht.

Zahnpatienten sollte ggf. auch das Krippenfutter wie unser Müsli marstall Senior Plus als Brei verabreicht werden. Wir empfehlen, eingeweichtes Futter mehrmals am Tag zu geben, da nasses Futter den Magen-Darm-Trakt deutlich schneller passiert als trockenes.

Apropos Verdauung: Die regelmäßige Gabe kleiner Mash-Portionen unterstützt die träger werdende Verdauung alter Pferde. Hierfür haben wir unser marstall Mash mit Getreide sowie unser getreidefreies Bergwiesen-Mash, das zudem reich an Rohprotein ist, im Sortiment. Eine weitere Alternative als Kur oder dauerhafte Unterstützung des Darms ist GRANUTOP, das die Verwertung der Nährstoffe verbessert.

Krankheiten im Alter

Aus verschiedenen Gründen treten im Alter vermehrt Stoffwechselstörungen wie Cushing, PSSM oder EMS auf. Bei Pferden, die an diesen Erkrankungen leiden, sollte ─ unabhängig vom Alter ─ auf eine stärkereduzierte, zuckerarme Ration geachtet werden. Hier eignen sich unsere beiden getreidefreien Müsli. Sowohl das energiereichere Vito als auch das energiearme Faser-Light können auch eingeweicht gefüttert werden. Als Ergänzung haben wir das getreidefreie marstall Bergwiesen-Mash im Programm.

Lysin ist wichtig für die Zellteilung

Drei Aminosäuren kann das Pferd nicht selbst herstellen, sie müssen vollkommen von außen zugeführt werden. Das sind Lysin, Methionin und Threonin. Hinzu kommt, dass diese drei erstlimitierend sind. Das bedeutet, ist von einer dieser drei erstlimitierenden Aminosäuren nicht genug vorhanden, können auch die anderen nicht verstoffwechselt werden (Prinzip Liebigsches Fass). Und gerade bei Lysin, Methionin und Threonin kommt es fütterungsbedingt zu Engpässen, wie Studien zeigen. Bei Fohlen sind die erstlimitierenden Aminosäuren übrigens Lysin, gefolgt von Methionin+ Cystein. Ein Grund mehr bei der Fütterung von Fohlen besonderen Wert auch ausreichend und hochwertige Proteine und Aminosäuren zu legen.

  • Lysin ist besonders wichtig für Zuchtpferde, zuständig für Zellteilung und Wachstum ist es für die Entwicklung von Jungpferden genauso wichtig ist wie für säugende Stuten.
  • Methionin wirkt antioxidativ, es trägt zur Bildung vieler Stoffe bei, zum Beispiel auch für Kreatin, das für das Hufhorn wichtig ist.
  • Threonin trägt u.a. zur Bildung von Enzymen und Hormonen bei, es wird auch für die Bildung von Antikörpern benötigt.

Soja ohne Gentechnik

Den Bedarf an essenziellen Aminosäuren kann man entweder durch natürliche Einzelfuttermittel wie Bierhefe, Leinschrot, Luzerne und Soja beim Pferd decken, oder durch reine Aminosäuren. Bei marstall sind sie in beiden Formen erhältlich. Zum Thema Soja: Hier denken viele direkt an gentechnisch veränderte Lebensmittel. Nicht so bei marstall, denn die beiden deutschen Herstellerwerke von marstall sind Mitglied im Verband Lebensmittel ohne Gentechnik e.V. (VOLG), produzieren nach dessen Standards und ihre Produktionen sind VLOG-zertifiziert.

Reine Aminosäuren kommen da an, wo sie gebraucht werden

Die Alternative zu den Naturprodukten ist das Füttern von reinen Aminosäuren. Der große Vorteil der reinen Aminosäuren ist, dass sie zu 100 Prozent vom Pferd aufgenommen und genutzt werden können. Hier weiß der Pferdebesitzer einfach, dass die benötigten essenziellen Aminosäuren schon im Dünndarmbereich angenommen werden können, es gibt keine Unsicherheit. Reine Aminosäuren werden zum Beispiel in den marstall-Produkten Amino-Muskel PLUS genauso wie im Amino-Sport Müsli, Condición, Western Struktur-Müsli und den Produkten der Zuchtlinie eingesetzt.

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Expertenmeinung

Den Bedarf an essenziellen Aminosäuren kann man entweder durch natürliche Einzelfuttermittel wie Bierhefe, Leinschrot, Luzerne und Soja beim Pferd decken, oder durch reine Aminosäuren. Bei marstall sind sie in beiden Formen erhältlich. Zum Thema Soja: Hier denken viele direkt an gentechnisch veränderte Lebensmittel. Nicht so bei marstall, denn die beiden deutschen Herstellerwerke von marstall sind Mitglied im Verband Lebensmittel ohne Gentechnik e.V. (VOLG), produzieren nach dessen Standards und ihre Produktionen sind VLOG-zertifiziert.

Aufnahme im Dünndarm

Es gibt viele verschiedene Aminosäuren, je nach Quelle ist von 20 oder 21 die Rede. Pferde können einen Großteil der Aminosäuren selbst z.B. aus Kohlenhydraten bilden. Einige allerdings müssen sie direkt über das Futter aufnehmen. Diese werden essenzielle Aminosäuren genannt. Essenzielle Aminosäuren sind Lysin, Methionin, Tryptophan, Leucin, Isoleucin, Threonin, Valin, Histidin und Phenylalanin.

Wozu dienen Aminosäuren?

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Aminosäuren sind die Bausteine aus denen sich Proteine. also Eiweiße. zusammensetzen. Sie sind für den Organismus des Pferdes extrem wichtig. Und das nicht nur beim Muskelaufbau, sondern auch für viele andere Prozesse.

"Die Alternative zu den Naturprodukten ist das Füttern von reinen Aminosäuren!"

Sie sind wichtig für das Huf- und Haarwachstum, für Bindegewebe und Knochen, für Botenstoffe im Gehirn und im Nervensystem, für die Zellgeneration im ganzen Körper und die Herstellung von Milch und Sperma zum Beispiel.

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Übrigens

  • Wussten Sie, dass marstall schon seit Jahren Pionier im Bereich Aminosäuren ist?
  • Wir wissen, wie wichtig hochwertige Proteine und gut verfügbare Aminosäuren für Pferde sind und setzen dieses Wissen in unseren Produktrezepturen um.
  • Für unser marstall Amino-Sport Müsli haben wir 2015 sogar den Equitana Innovationspreis erhalten.

Literatur

  • „Pferdefütterung“, Helmut Meyer, Manfred Coenen, Enke Verlag
  • „Fohlengesundheit durch richtige Fütterung“, Franziska Vogl, Dirk Winter, Birgit Jostes, Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen
  • https://weiterbildung-pferd.de/2017/07/17/fohlengesundheit-durch-richtige-fuetterung/
  • Nutrient Requirements of Horses, National Research Council oft he National Academies, 2007
  • Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung von Pferden, GfE, 2014

Wie verwerten Pferde Proteine?

Proteine bestehen aus vielen aneinanderhängenden Aminosäuren. Letztere können nur vom Pferd aufgenommen werden, wenn die Proteine komplett verdaut sind, also die Aminosäuren einzeln, nicht kettenartig zusammenhängend vorliegen. Weiter nehmen Pferde Aminosäuren nur im Dünndarm auf. Das bedeutet, dass dem Pferd nur diejenigen zur Verfügung stehen, die bis dahin aufgeschlossen oder umgebaut wurden. Alle anderen wandern ungenutzt in den Dickdarm und müssen hier verstoffwechselt werden, was Leber und Niere belastet.

Pferde können beispielsweise 20 bis 74 Prozent der Aminosäuren aus Pferdeheu verdauen. Der Wert schwankt so stark, da es darauf ankommt, ob das Heu früh oder spät geschnitten wurde. Bei spät geschnittenem sind die Stängel schon stark verholzt und dadurch die Proteine, die aus Aminosäuren bestehen, fest in die Zellwände eingebunden. Dadurch können die Protein nur teilweise im Dünndarm in einzelne Aminosäuren zerlegt werden und stehen dadurch auch nur zum Teil dem Pferd zur Verfügung. Allerdings ist das typische Pferdeheu meist ein später erster Schnitt mit hohem Rohfaser- und eher geringen Fruktan- und Zuckergehalten. Aufgrund dessen, ist es wichtig bei jeder Futterration auf einen ausreichenden Gehalt an leicht verdaulichen Proteinen bzw. Aminosäuren zu achten. nach oben

Analytische Bestandteile und Gehalte von marstall Senior Plus sowie Energie je kg

Rohprotein

12,5 %

pcv* Rohprotein

74,0 g

Rohfett

4,6 %

Rohfaser

6,0 %

Rohasche

5,6 %

Energie (DE)

12,5

Energie (ME)

11,0 MJ

Calcium

0,6 %

Phosphor

0,4 %

Natrium

0,3 %

Magnesium

0,4 %

Lysin

0,5 %

Methionin

0,3 %

*pcv = präcaeacal verdaulich = dünndarmverdaulich = fürs Pferd verfügbar

Aufnahme im Darm

Die essenziellen Aminosäuren muss das Pferd im Dünndarm in ausreichender Menge direkt aus dem Futter aufnehmen, um seinen Bedarf zu decken. Allerdings werden auch einige der essenziellen Aminosäuren im Dickdarmbereich von den Darmbakterien des Pferdes produziert. Doch im Dickdarm kann der Körper sie nur noch unzureichend aufnehmen. Das bedeutet: Kein positiver Effekt mehr auf den Organismus.

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Den Alterungsprozess abmildern

Wie bei allen Pferden sollte sich auch bei den Senioren die Fütterung in erster Linie am Ernährungs- und Gesundheitszustand orientieren. Eventuelle Mängel sollten schnellstmöglich behoben werden. Eine optimal angepasste Fütterung kann die Einsatzbereitschaft alter Pferde noch für lange Zeit aufrechterhalten. Sie kann den Alterungsprozess teilweise abmildern bzw. die mit dem Altern einhergehenden körperlichen Einschränkungen oft noch eine ganze Weile hinauszögern.

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