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Welche Besonderheiten gelten beim Füttern von Westernpferden?

Quarter Horse, Paint und Appaloosa sind Spezialisten für Westerndisziplinen wie Cutting, Reining, Working Cowhorse. Seit Generationen werden sie für ausdauernde Leistung und gleichzeitig immer wieder abrufbare Leistungsspitzen wie Spins und Sliding Stops gezüchtet. Die Pferderassen stechen durch ihre Muskelmasse und verhältnismäßig feinen Gliedmaße hervor. In unserem Fachartikel erklären wir, wieso Muskel nicht gleich Muskel ist, eine Fütterungsempfehlung für alle Sportpferd Sinn macht und wie Westernpferde mit und ohne PSSM gefüttert werden sollten.


  • Wann kommen welche Muskeln zum Einsatz?
  • Was ist Training, was Veranlagung?
  • Exkurs Vererbungslehre
  • Was bedeutet der Muskeltyp für die Fütterung?
  • Was gilt es bei PSSM zu beachten?
  • 10 Tipps Fütterung von Westernpferden inkl. Besonderheiten bei PSSM
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Je nach Rasse und Genetik hat das Pferd einen kleineren oder größeren Anteil an Muskeln, die vom Fasertyp her eher für Schnellkraft oder eher für Ausdauerleistungen geeignet sind. Rassen, die für Schnellkraft gezüchtet wurden sind zum Beispiel Westernpferde für die Disziplin Cutting oder Springpferde. Sie haben einen großen Anteil an schnell kontrahierenden Fasern der Muskelfasertypen IIA und IIB, englisch Fast-Twitch-Fasern genannt. Beim Quarter Horse beispielsweise liegt der Anteil an diesen schnell kontrahierenden Fasern bei 93 %. Pferderassen, die hingegen für langsamere Ausdauerleistung oder Zugleistung gezüchtet wurden wie Distanzpferde oder Kaltblutrassen, haben einen erhöhten Anteil an langsam kontrahierenden Fasern des Muskelfasertyp I, die im Englischen Slow-Twitch-Fasern genannt werden.

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Vergleich des Anteils an Fast-Twitch-Fasern (Muskelfasertyp IIA und IIB) bei verschiedenen Pferderassen. (Quelle: Bünger 1999)

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Vergleich des Anteils an Slow-Twitch-Fasern (Muskelfasertyp I) bei Pferden verschiedener Disziplinen. (Quelle: Bünger 1999)

Wann kommen welche Muskeln zum Einsatz?

Welche Muskelfasern bei Leistung beansprucht werden, hängt von der Gangart, der Geschwindigkeit und der Dauer der Aktivität ab. Dabei werden in einem arbeitenden Muskel meist nicht alle Muskelfasern stimuliert, da es nicht immer erforderlich ist, die maximale Kraft aufzubringen. Die Erhaltung des Gleichgewichts und wenig anstrengende Aktivitäten wie Showmanship erfordern nur die Arbeit der Typ I-Fasern. Bei steigender Geschwindigkeit der Bewegungen werden durch die benötigte größere Kraftentwicklung Fasern des Typs IIA beansprucht. Die sehr kräftigen Kontraktionen für hohe Geschwindigkeiten beziehungsweise für Stopps, Spins und Sprünge resultieren aus der zusätzlichen Beanspruchung von Typ IIB-Muskelfasern. Ein Pferd das Western-Riding oder Dressur geht, benötigt mehr oxidative, ermüdungsresistente Muskelfasern, um fortwährend Last auf die Hinterhand aufnehmen zu können. Pferden beim Reining, Cutting, Working Cowhorse oder Springen werden dagegen in kurzen Momenten höchste Schnellkraft mit dazwischenliegenden Ausdauerphasen abverlangt.
Bei Quarter Horse, Paint, Appaloosa und allen weiteren Rassen im Westernsport werden also häufig auch die Typ IIB-Fasern angesprochen.

Was ist Training, was Veranlagung?

Die Bemuskelung, die Anteile an den verschiedenen Muskelfasertypen und die Muskelquerschnittsfläche, also die Größe der einzelnen Muskelfasern, sind stark genetisch beeinflusst. So wurde auch die kräftig bemuskelte Hinterhand der Quarter Horses, die auf Schnelligkeit und Sprints gezüchtet wurden, durch intensive Zucht erreicht. Je höher der erblich veranlagte Anteil eines Muskeltyps ist, desto ausgeprägter ist sein Potenzial für eine bestimmte Sportart, denn die Anzahl der Muskeln lässt sich durch Training nicht erhöhen, sondern (nur) die Stärke der einzelnen Fasern.

Exkurs Vererbungslehre

Interessant ist, dass die Vererbung der Fasern des Typ I und Typ IIB hochsignifikant durch die mütterliche Blutlinie vererbt wird, wogegen die Typ IIA-Fasern signifikant durch die väterliche Abstammung beeinflusst werden.
(Rivero et al (1996) Studie an Arabern und Andalusiern)

Was bedeutet der Muskeltyp für die Fütterung?

Wird Energie in den Muskelfasern vom Typ I und teilweise IIA, langsam und unter Verbrennung von Sauerstoff (also oxidativ) gewonnen, werden Kohlenhydrate und Fette benötigt. Pferden, die die Muskelfasertypen I und IIA besonders beanspruchen, sollten jedoch bevorzugt Fette für die Energiegewinnung gefüttert werden, denn die Nutzung des Energiesubstrats lässt sich in einem gewissen Rahmen auch angewöhnen. So wird bei längerfristiger Fettfütterung mehr Fett in die Muskelzellen eingelagert und folglich auch verstärkt genutzt. Dies hilft Glykogen zu sparen, beschleunigt die Regeneration und schont den Magen-Darm-Trakt (zur Faser-Fett-Fütterung siehe auch „Welches Futter hilft bei Magengeschwüren?“). Ausnahmen gibt es dabei aber immer, denn auch beim Pferd gibt es unterschiedliche metabolische Typen – das eine Westernpferd z. B. kommt mit mehr Fett besser klar, ein anderes eher mit Getreide.
Bei spontaner (Höchst-)Leistung wird die nötige Energie zunächst anaerob in den Typ II-Fasern bereitgestellt und umgesetzt. Da Westernpferde mit 93 % Muskelfasern des Typ IIA und IIB sowohl im aeroben jedoch auch vielfach im anaeroben Bereich arbeiten, können die Muskeln der Westernpferde auch Kohlenhydrate in der Regel sehr gut verstoffwechseln.

Zudem sollten Quarter Horse, Paint, Appaloosa und Co. unbedingt auch schnell verfügbare Aminosäuren gefüttert werden. Denn sie werden zum Auffüllen der Lücken im Muskelprotein genutzt und können auch helfen, Glykogen zu sparen. Aminosäuren sollten beim Muskelturnover während und nach der Leistung zur Erholung verfügbar sein. Weiter spielen Vitamin E und Selen eine große Rolle bei der Regeneration der Muskelfasern.

Energiegewinnung und Regeneration

Ausführlich Infos zum Thema lest Ihr in unserem Fachartikel „Wie gewinnen Muskeln Energie und erholen sich?“

Was gilt es bei PSSM zu beachten?

An einem Thema kommt man bei der Fütterung von Westernpferden leider nicht vorbei: PSSM (Polysaccharid-Speichermyopathie). Es ist natürlich nicht nur bei Quarter Horses verbreitet. PSSM vom Typ 1 ist mittlerweile bei etwa 35 % aller Pferderassen nachgewiesen – vor allem bei muskulösen, ruhigen Pferdetypen wie Haflinger, Noriker etc.. Allerdings wurde die Mutation des Glycogen Synthase Gens (GYS1) erstmals bei Quartern beschrieben und es ist auch heute noch sehr praxisrelevant.
Bei betroffenen Pferden kommt es zur übermäßigen Speicherung von Glykogen und unnormal langen, komplexen Glycogenketten. Diese werden v.a. in den schnellen Typ II-Muskelfasern, also der „weißen Muskulatur“ gespeichert. Solche Pferde benötigen unbedingt eine Diät, die sich so zusammenfassen lässt: „High fibre, low grain, high fat“. Also viel Heu, kein Getreide, wenig Zucker (auch aus Gras) und Energie möglichst über Fettzufuhr. Pferde mit PSSM weisen eine vermehrte Insulinsensitivität auf und können Kohlenhydrate leichter und schneller in die Muskelzelle transportieren. Daher liegt das Hauptaugenmerk auf einer Reduktion des Kohlehydratanteils im Futter. Eine gute Versorgung mit Vitamin E (1.000 bis 3.000 mg/Tag) und Selen (1,8 mg/Tag, doch Vorsicht: nicht überdosieren) ist auch zu empfehlen. Wichtig zusätzlich zur Diät ist eine regelmäßige, leichte Bewegung (Weidegang ohne Stress, nicht zu reichhaltig) und möglichst keine Boxenruhe.

10 Tipps Fütterung von Westernpferden inkl. Besonderheiten bei PSSM

-          Kraftfutter

  • Getreidehaltiges Kraftfutter wie aufgeschlossene Maisflocken mit etwas Öl füttern.
  • Bei PSSM kein Getreide, sondern Faser-Fett-Kraftfutter und zusätzlich Öl geben.

-          Vitamine und Spurenelemente

  • Auf eine hohe Versorgung mit Vitamin E (mind. 1.000 mg pro Tag) und ausreichend Selen (1,0 bis 1,8 mg/Tag) achten.
  • Bei PSSM die Tagesmenge an Vitamin E auf bis zu 3.000 mg steigern.

-          Protein

Auf hochwertiges, dünndarmverdauliches Protein – erkennbar an der Angabe „pcv Rohprotein“ – am besten als reine Aminosäuren (L-Lysin, DL-Methionin, L-Threonin) achten.
Wichtig: Für beste Wirkung die Aminosäuren direkt vor oder innerhalb 1,5 Stunden nach der Leistung füttern.

-          Extra-Energie

marstall PowerBoost liefert die extra Portion Energie, wenn es um den Sieg geht.

-          Heu

  • Die Menge sollte 1,5 % der Körpermasse betragen, das sind bei 600 kg Gewicht 9 kg Heu, am besten auf 2-3 Mahlzeiten verteilt.
  • Bei PSSM noch mehr Heu und dafür wenig Gras füttern.

-          Weidegang

  • Heumenge je nach Weideaufwuchs reduzieren
  • Bei PSSM Weidegang einschränken, da viel Bewegung und wenig zuckerhaltiges Gras wichtig sind

-          Viel Wasser

Vor allem nach der Leistung auf schnell nachfließende Tränken (ggfs. Eimertränke) achten.

-          Salzleckstein

Zur freien Verfügung anbieten.

-          Elektrolyte

Direkt nach schweißtreibendem Training oder Wettkampf geben.

-          Mash

  • Mash eignet sich nach anstrengendem Training, Transport oder Wettkampf.
  • Bei PSSM nur getreidefreies Mash füttern. Keine Äpfel oder Brot als Leckerli.

Literatur

  • Art Tatiana (2011): Applied training physiology. 5th Edition of the European Equine Health & Nutrition Congress (5th EEHNC)
  • Bünger Frederic, Dissertation (1999): Histomorphometrische Befunde am M. gluteus medius von Pferden ausgewählter deutscher Warmblutrassen -Selektionskriterium für die sportliche Veranlagung? (Universität Leipzig)
  • Gerber et al (2001): Diskussion der Polysaccharid-Speichermyopathie (PSSM). Pferdeheilkunde 17 (2001) Nr. 1, S. 11-20
  • Rivero et al (1996): Variability of muscle fibre type composition in a number of genealogical bloodlines in Arabian and Andalusian horses. Pferdeheilkunde 12, (1996) Nr. 4, S. 661-665.
  • Schumann U., Van den Hoven R. (2014): Polysaccharid-Speicher-Myopathie – eine Übersicht. Pferdeheilkunde 30 (2014) 4, S. 394-396
  • Voswinkel Lena, Dissertation (2009):Einfluss der Bewegungsaktivität auf Wachstums- und Ausdauerparameter beim Pferd (Universität Kiel)
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