8 Punkte, die Ihr bei Heuersatz beachten solltet

Jeder kennt sie, die Cobs, Chips, Stängel und Häcksel diverser Raufuttermittel wie Heu, Gras, Luzerne, Stroh und Timothee. Das Angebot auf dem Markt ist vielfältig. Doch worauf sollet Ihr bei der Auswahl für Euer Pferd achten? Wir haben für Euch acht Punkte zusammengestellt.

  • Herkunft
  • Qualität (Sandanteil)
  • Häcksellänge
  • Zubereitungsform
  • Fruktan
  • Staub
  • Zutaten
  • Zusatznutzen
  • Zusammenfassung
Heu unter der Lupe

Heu-Cobs sind nicht gleich Heu-Cobs und auch bei Zusatzfutter z. B. aus Luzerne gibt es deutliche Unterschiede – siehe auch Artikel „Was tun bei knapper Heuernte und minderwertiger Qualität?“. Dort haben wir auch alle Vor- und Nachteile für Euch aufgeführt. Hier findet Ihr 8 Punkte, auf die Ihr achten solltet, wenn Ihr ein Heuersatz-Produkt zum Ergänzen der täglichen Heuration auswählt.

1. Herkunft

Es besteht selbstverständlich ein riesiger Qualitätsunterschied je nachdem, ob das Mähgut für die Cobs/Chips/Fasern/Häcksel von einer gepflegten Fläche mit landwirtschaftlichem Know-How geerntet wird, oder ob z. B. Seitenstreifen von Straßen oder Bahnstrecken gemäht wurden. Auch kommen in landwirtschaftlichen Nutzungswiesen in der Regel keine Giftpflanzen wie Kreuzkräuter oder Herbstzeitlose vor, im Gegensatz zu extensiv genutzten, ungedüngten Naturschutz-Wiesen. Am besten kauft man Heuersatzprodukte mit gesicherter Herkunft, wie z. B. unsere marstall Wiesen-Cobs. Ihre Herkunft ist zertifiziert von Allgäuer Hochlandwiesen, was Ihr am Allgäu-Marken-Logo erkennt. Zudem erfolgt die Ernte ausschließlich durch ausgebildete Landwirte.

2. Qualität (Sandanteil)

Der Vorteil bei der Herstellung von Heu-Ersatzprodukten ist die meist wetterunabhängige Ernte zum gewünschten Schnittzeitpunkt. Das Gras für die marstall-Produkte wird als später 1. Schnitt etwa Anfang Juni gemäht, aufgeladen und direkt zur benachbarten Trocknungsanlage gebracht. Dort wird es gereinigt, gehäckselt, in speziellen Trommeln schonend getrocknet und in Pelletform gepresst. Auch in nassen Sommern ist dadurch eine hygienische, verschmutzungsarme Ernte möglich. Allerdings muss mit dem Befahren der Wiesen gewartet werden, bis sie genügend abgetrocknet sind. Ansonsten wäre vermehrt Sand in den Wiesen-Cobs zu finden.

Wenn Ihr die Qualität von Cobs beurteilen wollt, dann müsst Ihr die eingeweichten Cobs etwas stehen lassen und dann mit den Fingern am Eimerboden entlang fahren. Sind viele Sand- und Bodenpartikel enthalten, setzen sie sich unten ab. Das kann man deutlich fühlen.

3. Häcksellänge

Ein weiteres Qualitätsmerkmal ist die Häcksellänge. Wenn ein Pferd kaut, zerkleinert es Heu in der Regel auf Fasern von etwa 1 bis 4 mm Länge. Werden allerdings zu kurz gehäckselte Heu-Ersatz-Fasern trocken und in großer Menge pur gefüttert, besteht die Möglichkeit, dass die Pferde ungenügend kauen, was Verstopfungen begünstigt.
Cobs zum Einweichen, sollten auf 1 bis 2 cm Länge gehäckselt werden. Bei längeren Häckseln wäre ansonsten das Pressen der Cobs schwierig. Sind die Häcksel der Cobs aber viel kleiner (man sieht das im eingeweichten Zustand) oder gar mehlförmig, handelt es sich um Grünmehlcobs, die keinen Strukturwert mehr haben. Als Raufutterersatz sind sie ungeeignet.

Bei lose gefütterten Fasern sind längere Häcksellängen von z.B. 3-5 cm anzustreben. Wenn Ihr die Fasern aber nur in geringen Mengen gebt oder unters Kraftfutter mischt, um die Kauzeit zu verlängern, sind auch kürzere Häcksel in Ordnung.

4. Zubereitungsform

Um Schlundverstopfungen oder andere Probleme zu vermeiden, müsst Ihr unbedingt die Fütterungshinweise der Hersteller beachten!

Cobs müssen immer eingeweicht gefüttert werden, denn wenn ein Pferd schnell frisst und dabei noch „schlampig“ kaut, können die Cobs-Knäule im Schlund stecken bleiben. Stark quellfähig wie z. B. Zuckerrübenschnitzel sind sie zwar nicht, aber dennoch vergrößern sie ihr Volumen wenn Speichel oder Wasser dazu kommt.

Lose Fasern werden in der Regel als kaufördernde Handvoll Struktur unter die Kraftfutterration (Pellets, Hafer, Müsli) gemischt.

Zudem kann man sie bei genügend großer Häcksellänge (> 2 bis 3 cm) auch pur und in größeren Mengen füttern.

Übrigens: Auch Fasern oder Chips kann man eingeweicht füttern, auch wenn der Hersteller das nicht direkt angibt.

5. Fruktan

Schonend warmluftgetrocknete Heuprodukte enthalten nachweislich weniger Fruktane als sonnengetrocknetes Heu (Hoedtke et al., 2010). Vermutlich ist das durch bessere Temperaturbedingungen für pflanzeneigene, fruktanabbauende Enzyme bedingt.

Zudem ermöglicht die wetterunabhängigere Ernte einen Schnitt in einem fruktanärmeren Zeitfenster.

6. Staub

Heu-Ersatzprodukte sind oft sehr viel staubärmer als normales Heu. Auch wenn man es nicht vermutet, enthält Heu neben staubigen Bodenteilchen in der Regel sehr viel Milbenkotpartikel und somit auch hohes allergenes Potenzial für die Atemwege.

Bei der Produktion von Heu-Ersatzprodukten werden die Stäube nicht nur abgesaugt, sondern meist wird durch die Zubereitung (eingeweicht, geölte Häcksel) eine weitere Staubbildung verhindert.

Pferd frisst Heu

7. Zutaten

Es gibt Cobs, Chips, Häckselzubereitungen mit oder ohne Melasse, mit oder ohne Öl-Zusätze, getreidefrei oder mit Getreideflocken, mit oder ohne Mineralisierung etc.

Schaut Euch die Zutatenliste an, damit Ihr genau das richtige für euer Pferd findet.

Auf alle Fälle gilt: auch ohne jegliche Zusätze enthalten Heuersatzprodukte aus der Gras-Trocknung in der Regel mehr Proteine, Mineralien und Vitamine als Heu, denn zum einen wird die nährstoffreiche Blattmasse bei der Ernte nicht zerschlagen und zum anderen gehen keine Vitamine wie ß-Carotin oder Vitamin E durch intensive Sonnenbestrahlung verloren.

8. Zusatznutzen

Geölte Produkte sind nicht nur staubfrei und damit gut für empfindliche Atemwege geeignet. Sondern je nach Öl (z. B. Leinöl) liefern die Heu-Ersatzprodukte neben der zusätzlichen Energie noch reichlich Omega-3-Fettsäuren oder leberschützende Wirkstoffe (z. B. Mariendistelöl).

Zusammenfassung

Wer die Raufutterration seines Pferdes aufwerten oder ausgleichen muss bzw. will, dem stehen unterschiedliche Möglichkeiten zur Verfügung. Auf einwandfreie Qualität kommt es in jedem Fall an. Denn schließlich ist das Raufutter das A und O in der Pferdefütterung und macht den Hauptanteil der Nahrung aus.

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