8 Tipps gegen Gewichtsverlust im Herbst

Viele Pferde sehen während der Weidezeit super aus. Sie glänzen, sind „runder“ und bauen schneller Muskeln auf. Im Herbst, wenn sie wieder vermehrt im Stall stehen, verliert sich das nach einiger Zeit aber wieder. Die Pferde fallen ein und das Fell wirkt stumpf. Wir haben Euch 8 Tipps gegen den Gewichtsverlust bei der Umstellung auf die Winterfütterung zusammengestellt:


  • 1. Zähne
  • 2. Viel Heu
  • 3. Nährstoffe – Protein / Eiweiß / Aminosäuren
  • 4. Nährstoffe – Fett
  • 5. Nährstoffe – Vitamine, Mineralien
  • 6. Mehrverbrauch – Fellwechsel
  • 7. Mehrverbrauch an Energie bei Kälte
  • 8. Kotwasser / Umstellung / Magen-Darm
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1. Zähne

Pferdezähne wachsen stetig, jährlich um etwa 2 bis 3 mm. Damit sie nicht zu lang werden, braucht es grobstängeliges Heu und einen gegenüberliegenden Zahn für genügend Zahnabrieb. Fehlt dieser Abrieb, können Schneidezähne zu lang werden und an Backenzähnen entstehen scharfe Kanten und Haken.
Pferde mit Zahnproblemen legen häufig bei der Weidefütterung an Gewicht zu, das sie während der Heufütterung wieder verlieren. Das liegt nicht nur an den anderen Nährstoffgehalten des Futters, sondern oft schon am Kauen. Weidegras ist einfach viel leichter zu kauen und auch leichter verdaulich – auch wenn es nicht so gut gekaut wurde. Das weiche Weidegras verschärft die Problematik des fehlenden Abriebs noch zusätzlich.

Unser Tipp:

Während der Weidezeit die Weide portionieren und nach Möglichkeit immer etwas Heu oder gutes Futterstroh zufüttern. Unbedingt regelmäßig die Zähne kontrollieren (lassen). Sind die Zähne nicht optimal, wie oft bei alten Pferden, das Heu in der Winterfütterung mit eingeweichten Wiesen-Cobs ergänzen!

2. Viel Heu

Funktionieren die Zähne, sollte das Pferd Heu in großzügiger Menge erhalten. Die GfE 2014 empfiehlt, dass das Pferd möglichst über 12 Stunden am Tag Grobfutter (Heu/Stroh) aufnehmen kann. Dazu ist hilfreich zu wissen, dass ein Pferd ohne Raufe/Netz etwa 45 min für 1 kg Heu benötigt. Zumindest der Energie-Erhaltungsbedarf sollte laut GfE 2014 über Heu gedeckt werden.
Praktisch betrachtet, ist es oft schwierig, aber dennoch sollten pro Tag etwa 1,5 kg Heu pro 100 kg Körpergewicht gefüttert werden. Das sind bei einem 600-kg-Pferd etwa 9 kg Heu/Tag. Neigt ein Pferd dazu deutlich an Körpergewicht abzubauen, sollten sogar besser 1,7 bis 2 kg Heu/100 kg Körpergewicht gefüttert werden.

Stroh sollte wegen der Verstopfungsgefahr nicht mehr als täglich 1 kg/100 kg Körpergewicht gegeben werden.

Unser Tipp:

Ist wenig Heu verfügbar, sollten Heu-Ersatzprodukte wie z. B. eingeweichte Wiesen-Cobs oder auch Luzerneheu ergänzend gefüttert werden.

Übrigens: Man verschätzt sich oft bei der Heumenge. Wenn möglich, solltet Ihr die tägliche Menge einmal wiegen.

3. Nährstoffe – Protein / Eiweiß / Aminosäuren

Gras enthält mehr leicht verdauliches Protein/Eiweiß (bzw. Aminosäuren) als Heu vom späten 1. Schnitt. Das liegt daran, dass bei Gras ein großer Teil der Eiweiße in gelöster Form im Zellinneren der Pflanzenzellen vorliegt. Im Heu ist dagegen der Anteil des Eiweißes höher, der an Fasern der Pflanzenzelle gebunden ist. Entsprechend wird das Eiweiß auch anders verdaut:
Das lösliche Protein (mehr vorhanden im Gras) wird durch die Enzyme im Dünndarm verdaut und steht dem Pferd zur Verfügung.
Das zellwandgebundene Protein (mehr vorhanden im Heu) kann nicht durch Enzyme, sondern je nach Verholzungsgrad nur noch durch Dickdarmmikroben abgebaut werden.

Dieses Protein steht dem Pferd nicht zur Verfügung!

  • Pferde erhalten bei der Weidefütterung i.d.R. mehr dünndarmverdauliches Protein als bei der Heufütterung. Dieses Protein bzw. die Aminosäuren sind für die Muskelbildung unentbehrlich aber auch z. B. für das Fell und gerade im Fellwechsel sehr wichtig.
  • Bei erhöhtem Bedarf an Protein, wie ihn z. B. Seniorpferde, Sportpferde, Zuchtpferde und Fohlen haben, reichen die dünndarmverdaulichen Aminosäuren aus Heu oft nicht aus.

Unser Tipp:

Das Heu mit Eiweiß-/Aminosäuren-Futtermitteln ergänzen. Achten Sie darauf, dass möglichst viel dünndarmverdauliches Eiweiß (Aminosäuren) enthalten ist. Reine, kristalline Aminosäuren sind zu 100% dünndarmverdaulich. Also sind Futtermittel mit Aminosäurezusätzen besonders geeignet. Ansonsten empfehlenswert sind: Bierhefe, Sojaextraktionsschrot, Leinschrot …

Übrigens: Die Wissenschaft nennt das dünndarmverdauliche Eiweiß ‚präcaecal verdauliches Rohprotein‘, abgekürzt als pcvXPund die dünndarmverdaulichen Aminosäuren z. B.pcvLys, pcvMet/Cysetc.

4. Nährstoffe – Fett

Der Fettgehalt von Wiesengras ist mit etwa 6 g je kg Gras gering. Abhängig von der gefressenen Grasmenge, kommt aber dennoch einiges zusammen.
Die Futteraufnahme auf der Weide zu schätzen ist schwierig und u.a. stark abhängig von der Weidedauer, der Höhe des Weidegrases und der Art der Pflanzen. Nach GfE 2014 kann ein Pferd mit 600 kg LG auf der ganztägigen Weide etwa 80 kg Gras fressen. Das entspricht etwa 15 kg Heu. Bei dieser Grasaufnahme würde das Pferd theoretisch 480 g Fett fressen.
Im Heu rechnet man etwa mit 22 g Fett pro kg. Füttert man einem 600-kg-Pferd in der Wintersaison etwa 10 kg Heu pro Tag, nimmt es nur etwa 220 g Fett auf.

Dass Pferde Fett recht gut vertragen, ist bekannt. Die Empfehlung der GfE 2014 für den Einsatz von Futterfetten liegt bei maximal 1 g Fett/kg Körpergewicht und Tag. Das heißt, dass ein 600kg-Pferd pro Tag bis zu 600 g Fett erhalten kann.

Unser Tipp:

Der oft besagte tägliche „Schluck“ Öl darf in der Umstellungsphase auf die Wintersaison ruhig etwas größer ausfallen. Öl kann ins Mash oder in eingeweichte Wiesen-Cobs gegeben werden und gegebenenfalls auch über das Krippenfutter.

Übrigens:Werden regelmäßig Omega-3-Fettsäuren aufgenommen, reichern sie sich nachweislich im Gewebe an. Wer Leinöl füttert, unterstützt direkt die Hautfunktionen und das Haarkleid.

5. Nährstoffe – Vitamine, Mineralien

Es trägt zwar nicht direkt zum Gewicht bei, aber bei der Umstellung auf die Winterfütterung lohnt es sich dennoch zu beachten:

Weidegras ist reich an ß-Carotin, das im Körper zu Vitamin A umgewandelt werden kann. Sonnengetrocknetes Heu verliert aber viel ß-Carotin, das sich zudem während der Lagerung noch weiter abbaut.

Bei Weidefütterung ist das Pferd meist recht gut mit Vitamin E versorgt, jedoch ist der Bedarf bei der Heufütterung meist nicht mehr gedeckt – v.a. nicht bei Sportpferden.

Viele Mineralien wie Calcium, Phosphor, Magnesium, aber auch Spurenelemente sind verstärkt in der Blattmasse der Pflanzen, und dadurch eher in krautartigen Pflanzen und Leguminosen (z. B. Klee) enthalten. Grobstängeliges Heu enthält oft nicht mehr so viele Mineralien, da die Gräser des ersten Schnitts an sich nicht so mineralienreich sind und die Blattmasse zudem bei der Heubergung oft zerschlagen wird.

Unser Tipp:

In der Winterfütterung auf eine gute Versorgung mit Vitaminen und Mineralien achten bzw. die Ration mit einem ausbalancierten Mineralfutter, das auch Vitamine enthält ergänzen.

Übrigens: Auch die Düngung und die Grundversorgung der Böden spielen eine Rolle bei den Gehalten an Mengen- und Spurenelementen. Wer es genau wissen will, sollte sein Heu untersuchen lassen.

6. Mehrverbrauch – Fellwechsel

Der Fellwechsel bzw. das Wachstum der wolligen Unterhaare im Winterfell entzieht dem Körper viele Nährstoffe. Hier sind zum einen die schwefelhaltigen Aminosäuren (Methionin/Cystein) wichtig, zum anderen die Spurenelemente Zink und Kupfer.

Wie schon erklärt, sind jetzt die Zufuhr von dünndarmverdaulichem Protein bzw. schwefelhaltigen Aminosäuren und auch die Versorgung mit Spurenelementen wichtig.
Bei alten oder geschwächten Pferden hilft auch eine Extraportion Energie, um diese große Stoffwechselleistung zu stemmen.

Unser Tipp:

Zusätzlich zur bestehenden Ration eine hochwertige Aminosäureergänzung, am besten mit hohen Anteilen an pcvMet/Cys wählen. Zudem eine leicht erhöhte Zufuhr an  Mineralfutter mit Vitaminen und regelmäßige Mash-Mahlzeiten mit Öl.

7. Mehrverbrauch an Energie bei Kälte

Die sinkenden Temperaturen gleicht das Pferd durch das Winterfell meist sehr gut aus. Bei Offenstallhaltung, nasskalter bis extremer Witterung (vor allem, noch bevor das Winterfell ausgebildet ist) und bei alten Pferden darf man den Mehrverbrauch an Energie durch die Kälte aber nicht unterschätzen. In der Regel rechnet man mit einem Mehrbedarf von 10 % an Energie, im Extremfall bis zu 20 %.

Unser Tipp:

Möglichst die allgemeine Heuration erhöhen oder die Heuration mit eingeweichten Heu-Cobs ergänzen.
Einen großen Schluck Öl zusätzlich zur üblichen Ration über Mash (getreidefrei oder mit Getreide) oder eingeweichte Wiesen-Cobs geben. Das Öl sollte möglichst viele Omega-3-Fettsäuren enthalten. Gegebenenfalls kann auch das Krippenfutter erhöht werden.

8. Kotwasser / Umstellung / Magen-Darm

Kotwasser ist einPhänomen mit vielen und oft sehr individuell verschiedenen Ursachen. Viele Pferde sind in der Weidezeit symptomfrei und entwickeln bei der Umstellung auf die Winterfütterung Kotwasser. Eine schonende Futterumstellung und die frühzeitige Unterstützung der Magen-Darm-Gesundheit können helfen, das Problem einzudämmen. Denn allein schon eiskaltes Wasser kann diese bei empfindlichen Pferden durcheinanderbringen. Wie beim Anweiden, sollte auch die Umstellung auf Heu allmählich geschehen. Bierhefe, Leinsamen, wasserbindende Komponenten wie Pektin und andere prebiotisch wirkende Ballaststoffe können das gesunde Magen-Darm-Milieu fördern. Lebendhefe-Zusätze im Futtermittel können die Zelluloseverdauung des Heus unterstützen.

Unser Tipp:

marstall Darm-Regulator oder Granutop füttern. Granutop unterstützt dank Bierhefe und Lein-Distel-Öl gleichzeitig auch den Fellwechsel und hilft den erhöhten Nährstoffbedarf zu decken.

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